Kartoffeln sind nicht nur lecker, sondern auch vielseitig einsetzbar und nahrhaft. Aber bevor du deine eigenen Kartoffeln in der Küche zubereiten kannst, fehlen noch so einige Schritte. Einer der wichtigsten Schritte beim Kartoffelanbau ist das Vorkeimen der Kartoffelknollen, um das bestmögliche aus deiner eignen Zucht herauszuholen.

Das Vorkeimen einer Kartoffelnknolle ist eine Methode, bei der die Knolle, einige Wochen vor der Auspflanzung zum Keimen gebracht wird. In erster Linie hört es sich recht einfach an, seine Knollen vorkeimen zu lassen, aber es gibt einige Dinge, welche du beachten musst.
In diesem Artikel werden wir dir zwei Methoden vorstellen, wie du deine Kartoffeln vorkeimen lassen kannst. Dabei werden wir dir auch erklären, warum die Größe, Form und die Sorte einen Einfluss auf die Ertragsmenge haben. Kurz gesagt, wirst du am Ende dieses Artikels ein Experte sein, wenn es um das Vorkeimen von Kartoffeln geht.
Darum solltest du deine Kartoffeln vorkeimen lassen!
Durch das Vorkeimen von Kartoffeln wird das Wachstum der Kartoffelpflanze erhöht, was sich positiv auf die Größe der geernteten Kartoffeln, sowie den gesamten Ertrag auswirkt. Außerdem stärkt das Vorkeimen die Gesundheit der Pflanze und macht sie somit widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlinge.
Ebenso wird die Vegetationszeit durch das Vorkeimen der Kartoffelknolle reduziert. Eine vorgekeimte Kartoffelknolle bildet ca. 2 Wochen schneller ihr Kraut, sowie die neuen Knollenansätze im Boden, aus.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass das Vorkeimen der Kartoffeln kaum Nachteile mit sich bringt. Lediglich eine Wartezeit von mindestens 4 Wochen, bevor die Knolle gepflanzt werden kann. Jedoch ist dieses Problem mit der richtigen Vorbereitung ohne große Mühen mit einzuplanen.
Kartoffeln vorkeimen lassen – 2 Methoden
Egal ob Speisekartoffeln oder Pflanzkartoffeln, beide Kartoffeltypen können von dir zum Einpflanzen und somit auch zum Vorkeimen verwendet werden. Es gibt zwei einfache Methoden, welche von dir verwendet werden können, um deinen Kartoffeln einen leichteren Start in die Vegetationszeit zu bereiten. Wir haben beide Methoden für dich getestet und werden dir in den beiden kommenden Abschnitten zeigen, wie du dabei vorgehen solltest.
Kartoffeln in einem Eierkarton vorkeimen lassen
Am einfachsten funktioniert das Vorkeimen von Kartoffeln, mit der Hilfe von einem Eierkarton. Ein Eierkarton bietet die perfekte Grundlage für den Keimprozess, da die Kartoffeln mit seiner Hilfe bestmöglich platziert werden können und einen ausreichenden Abstand zueinander haben. Wie du am besten vorgehst zeigen wir dir jetzt:

- Trenne die Ober- des Eierkartons von der Unterseite ab. Dies machen wir nur aus Platzgründen, damit der Eierkarton leichter auf einer Fensterbank platziert werden kann.
- Begutachte die Kartoffeln genauer und suche die “Augen” auf der Kartoffelschale. Aus diesen Augen wird die Kartoffeln austreiben.
- Lege jede Kartoffel so in den Eierkarton, dass so viele Augen wie nur möglich nach oben schauen und mit viel Licht versorgt werden.
- Stelle die Kartoffeln einen hellen Standort mit viel indirektem Licht und einer Temperatur von 15° C
- Nach 4 Wochen sind die Kartoffeln bereit gesetzt zu werden
Stelle den Eierkarton mit den Kartoffeln an einen möglichst hellen Standort. Sie brauchen viel Licht, damit sie kurze und kompakte Keime aus den Augen bilden. Die Kartoffel sollte jedoch nicht von der direkten Sonne bestrahlt werden. Was wir ebenfalls vermeiden möchten, sind lange und helle Keimtriebe, welche entstehen, wenn die Kartoffeln beim Vorkeimen zu dunkel gestellt werden.
Ein Platz am Fenster eignet sich sehr gut, um Kartoffeln in Keimstimmung zu bringen, jedoch muss hierbei auf die Temperatur geachtet werden. Fensterbänke in Innenräumen sind häufig mit Heizkörpern bestückt und bieten somit viel Licht, aber zu hohe Temperaturen.
Kartoffeln beginnen ab 8° C an zu keimen. Die optimale Keimtemperatur liegt zwischen 15° C und 17° C und liegt somit deutlich unter den durchschnittlichen Temperaturen in Innenräumen. Ein perfekter Standort um deine Kartoffeln zum Keimen zu bringen ist ein Wintergarten oder ein Platz auf der Fensterbank in einem Schuppen, wo mildere Temperaturen herrschen. Ist nichts der beiden vorhanden, solltest du die Kartoffeln auf der Fensterbank keimen lassen ohne einen darunterliegenden Heizkörper.

Hinweis: Pflanzkartoffeln werden häufig kühler gelagert (ca. 2° C – 4° C) und somit in eine Keimruhe versetzt. Wenn du das Problem hast, dass deine Kartoffeln nicht keime, musst du sie kurzzeitig einem Temperaturschock aussetzen. Dies bedeutet, dass die Pflanzkartoffeln für wenige Tage bei Temperaturen zwischen 22° C und 24° C gelagert werden sollten.
Kartoffeln in der Erde vorkeimen lassen
Eine weitere Methode seine Kartoffeln vorkeimen zu lassen ist der Vorkeimprozess in Erde. Dafür benötigst du einen flachen Behälter, in welchen du Erde einfüllen kannst und trotzdem ausreichend Licht einfällt. Wie du Kartoffeln in der Erde vorkeimen lässt, zeigen wir dir jetzt:
- Nehme einen flachen Behälter oder ebenfalls einen Eierkarton und fülle ihn mit ca. 3 cm Erde auf.
- Sprühe die Erde mit Wasser etwas feucht und lege die Kartoffeln auf sie darauf.
- Achte darauf die Erde regelmäßig leicht anzufeuchten, damit die Keime sich leichter bilden.
- Stelle den Behälter an einen Standort mit viel indirektem Licht und einer Temperatur zwischen 15° C und 17° C.
- Nach 6 Wochen können Kartoffeln, welche in der Erde vorgekeimt wurden, eingepflanzt werden.
Seine Kartoffeln in der Erde vorkeimen zu lassen hat den Vorteil, dass die vorgekeimten Kartoffeln direkt ein kleines Wurzelwerk ausbilden. Zusätzlich bilden sich Keimtriebe, welche nach oben gerichtet sind und Energien aus dem Licht beziehen. Genau wie bei allen anderen Methoden ist es wichtig, die Kartoffeln während des Vorkeimens, vor der direkten Sonne zu schützen und bei Temperaturen zwischen 15° C und 17° C ruhen zu lassen.
Hinweis: Es kann durchaus möglich sein, dass sich die Kartoffeln bereits so verwurzelt haben, dass sie nur schwer aus der Erde herauszulösen sind. Bevor du die Keimtriebe abreist, solltest du die Kartoffeln aus der Erde freischneiden. Der Schnitt fördert sogar das Wurzelwachstum und schadet der Kartoffeln nicht, sofern sie nach kurzer Zeit eingepflanzt wird.
Kleine oder große? Speise- oder Pflanzkartoffeln?
Keine Kartoffel ist gleich, alle haben unterschiedliche Formen und Größen, sogar innerhalb einer Sorte. Diese Unterschiede haben auch einen Einfluss auf den Ertrag, welche am Ende deiner langen und ausgiebigen Pflege einen Unterschied machen können. In diesem Abschnitt möchten wir dir erklären, wie sich die Eigenschaften deiner gepflanzten Kartoffel auf den Ertrag auswirkt. Zuerst möchten wir klarstellen, dass die Größe und Form der Kartoffel nicht durch ihr Pflanzkartoffel vererbt wird.
Sind die eingepflanzten Kartoffeln klein, werden die geernteten Kartoffeln größer sein, jedoch wird der Gesamtertrag etwas geringer ausfallen. Das liegt daran, dass kleine Kartoffeln weniger Keimtriebe ausbilden und somit auch weniger Knollenansätze haben. In der Folge wird mehr Energie in die wenigen Knollenansätze gesteckt, sodass die einzelnen Kartoffeln bei der Ernte größer ausfallen.

Dies kann sogar zu einem Problem werden, sofern es sich beim Anpflanzen um sehr große Sorten handelt. Sind die Bedingungen optimal und die Kartoffeln können ungehindert wachsen, kann es passieren, dass große Kartoffeln von innen hohl werden.
Aus eigener Erfahrung können wir jedoch sagen, dass die Unterschiede der Kartoffelgrößen nicht so groß ausfallen, dass wir lieber einen höheren Ertrag haben möchten. Wir pflanzen also nicht extra kleine Kartoffeln in den Boden, sondern nutzen die üblichen Pflanzkartoffeln, welche immer für eine verlässliche Ernte sorgen.
Wenn du Sorten anbaust, welche eine eher längliche Form hervorbringen, wie beispielsweise das Bamberger Hörnchen, dann kannst du die vorgekeimte Kartoffeln vor dem Setzen, teilen. Das empfiehlt sich immer, wenn die Knolle mindestens einen Keimtrieb auf jeder Seite hat. Teile die Knolle jedoch erst kurz bevor die Kartoffel in den Boden setzt, dies fördert die Wundheilung im warmen Boden und führt zu keinen Schäden.
Wie viele Kartoffeln sollte ich Vorkeimen lassen?
Die Anzahl an Kartoffeln, welche vorgekeimt werden sollen, hängt natürlich stark von deinem eigenen Vorhaben, sowie von den Kartoffelsorten ab. Informiere dich also zuerst genau, welche Kartoffelsorte du anpflanzt und ob es sich hierbei um eine Sorte handelt, welche einen besonders hohen, bzw. einen besonders niedrigen Ertrag hat.

Unter realistischen Anbaubedingungen und einer ökologischen Anzucht, kannst du mit ca. 1,5 kg bis 2,0 kg Kartoffeln pro Pflanze rechnen. Erfahrene Hobbybauern erreichen auch durchaus höhere Werte. In einer Beetreihe, mit einem Pflanzabstand von 30 cm, kannst du ca. 10 Kartoffelpflanzen großziehen, welche dir ungefähr 15 kg – 20 kg Kartoffeln bescheren.
Mit diesen Werten kannst du dir recht einfach deinen eigenen Bedarf ausrechnen. Bedenke, dass jede Reihe ca. 70 cm – 80 cm Abstand zueinander haben sollte.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Kartoffeln Vorkeimen zu lassen?
Der beste Zeitpunkt um Kartoffeln vorkeimen zu lassen, liegt zwischen Mitte Februar und Ende März. Zu dieser Zeit erhalten die Kartoffelknollen ausreichend Licht und beim Setzen der Kartoffeln ist der letzte Frost des Winters meist vorbei. Viel früher lohnt es sich nicht Kartoffeln keimen zu lassen, denn ein Frostschaden, durch eine zu frühe Aussaat, schadet den Pflanzen und mindert den Ertrag.
Natürlich kannst du deine Kartoffeln auch zu einem viel späterem Zeitpunkt vorkeimen lassen. Hierbei sind einem im Prinzip kaum Grenzen gesetzt, denn Kartoffeln können auch noch im Sommer gesetzt werden, um sie im späten Herbst zu ernten. Es gibt sogar die Möglichkeit Kartoffeln für den Winter anzupflanzen. Dabei fällt der Ertrag natürlich wesentlich geringer aus.
Kartoffeln einpflanzen, ohne sie vorgekeimt zu haben?
Ja, es ist auch möglich Kartoffeln ohne sie vorgekeimt zu haben in den Boden zu setzen. Hierfür sollte jedoch die Bodentemperatur relativ hoch sein, damit die Kartoffeln im Boden keimen können. Lohnen tut es sich nicht, denn durch das Einpflanzen ohne einen Vorkeimprozess hat die Kartoffelpflanze eine höhere Vegetationszeit und ist anfälliger gegenüber Schädlinge und Krautfäule.
Kann ich normale Kartoffeln als Saatkartoffeln verwenden?
Ja, normale Kartoffeln aus dem Handel können auch als Saatkartoffeln verwendet werden. Hierbei ist jedoch darauf zu achten, dass die Kartoffeln nicht gekennzeichnet sind mit “Nach der Ernte behandelt”. Diese Kartoffeln sind mit Keimhemmern versehen, um sie für den Verkauf länger haltbar zu machen.